1) Warm-up & Rolle

Frage: Wer bist du – und wofür brennst du in deiner Rolle als Leiter für Unternehmenskommunikation & Marketing ganz persönlich?
Dennis: Ich bin Dennis Ströh und leite seit 2018 den Bereich Unternehmenskommunikation und Marketing bei der Bäderbetriebsgesellschaft Oldenburg. Der Bereich hat sich in den letzten Jahren stark entwickelt. Als ich angefangen habe, war Kommunikation und Marketing eher stiefmütterlich aufgestellt. Ich hatte das Vertrauen und die Freiheit, vieles neu aufzubauen und weiterzuentwickeln. Genau das reizt mich bis heute: Dinge zu gestalten, Angebote sichtbar zu machen und einen mit Kommunikation echten Mehrwert zu schaffen. Diese Vielfalt macht den Job für mich besonders.

Frage: Was ist dein Job im OLantis – und welche Themen landen wirklich täglich auf deinem Tisch?
Dennis: Mein Job ist extrem vielseitig. Viele denken bei Marketing immer noch an ein paar kleine Werbemaßnahmen, aber tatsächlich geht es bei mir um die komplette interne und externe Kommunikation. Dazu gehören Social Media, digitales und klassisches Marketing, Besucher- und Beschwerdemanagement, Produktentwicklung sowie die Planung und Umsetzung von Events und Aktionen gemeinsam mit meinem Team. Pressearbeit ist dabei nur ein kleiner Teil.

Frage: OLantis in einem Satz – was sollen Gäste fühlen, wenn sie rausgehen?
Dennis: Gäste sollen das Gefühl haben, ihre Freizeit sinnvoll investiert zu haben. Freizeit ist kostbar – und wenn man sich entscheidet, sie bei uns zu verbringen, sollte man am Ende sagen: „Das war richtig gut, ich komme gerne wieder.“

Frage: Was war dein persönlicher Aha-Moment in der Branche?
Dennis: Mich fasziniert bis heute, mit wie viel Leidenschaft Menschen in dieser Branche arbeiten. Die Bandbreite der Aufgaben ist enorm – und die Menschen bringen jeden Tag unglaublich viel Engagement und Herzblut mit. Diese Mischung aus Vielfalt und echter Leidenschaft habe ich so in keiner anderen Branche erlebt.

Frage: Welche Haltung ist euch im Team wichtiger als jede Qualifikation?
Dennis: Wertschätzung, Respekt und ein menschlicher Umgang miteinander. Diese Haltung ist für uns wichtiger als jede fachliche Qualifikation. Sie ist die Basis für Zusammenarbeit und langfristigen Erfolg.

2) Aktuelle Lage & Herausforderungen

Frage: Was sind aktuell eure größten Herausforderungen im laufenden Betrieb?
Dennis: Wir erhalten super viele Bewerbungen, das Recruiting funktioniert also, dennoch bleibt es natürlich dauerhaft eine Herausforderung Mitarbeitende zum richtigen Zeitpunkt zu finden. Dazu kommen steigende Kosten, etwa durch Energiepreise und Mindestlohn. Ein drittes Thema ist die zukünftige Entwicklung des Unternehmens, insbesondere durch den Neubau des Flötenteichbads und die damit verbundene Aufteilung auf mehrere Standorte.

Frage: Wie wirkt sich der Fachkräftemangel bei euch konkret aus?
Dennis: Zum Glück bisher kaum sichtbar für die Gäste. Wir mussten weder Öffnungszeiten noch Angebote reduzieren und auch keine Kompromisse bei Sicherheit oder Technik eingehen. Das funktioniert vor allem durch einen starken Teamzusammenhalt. Trotzdem ist die Situation fragil und erfordert ständige Aufmerksamkeit.

Frage: Was ist schwieriger zu besetzen – Fachangestellte für Bäderbetriebe oder Rettungsschwimmer?
Timo: Fachangestellte für Bäderbetriebe sind deutlich schwerer zu gewinnen. Rettungsschwimmer lassen sich aktuell einfacher besetzen. Noch sind wir gut aufgestellt, aber langfristig wird es eine Herausforderung, den Fachkräfteanteil auf dem gewünschten Niveau zu halten.

Frage: Welche Erwartungen haben Bewerbende heute, die es früher so nicht gab?
Dennis: Der Ausgleich zwischen Beruf und Freizeit ist viel wichtiger geworden. Das halte ich für absolut richtig. Unternehmen müssen Lösungen schaffen, damit Mitarbeitende gesund, zufrieden und ausgeglichen bleiben. Das sehe ich eher als eine Chance, weniger als Belastung.

Frage: Wo seid ihr als Arbeitgeber stark – und wo noch auf dem Weg?
Dennis: Stark sind wir beim Teamzusammenhalt und bei Benefits. Auf dem Weg sind wir unter anderem bei der Weiterentwicklung unserer Gehaltsstruktur, um langfristig zukunftssicher aufgestellt zu sein.

3) Projekte & Innovation

Frage: Welche Projekte oder Innovationen haben euch zuletzt besonders vorangebracht?
Dennis: Ganz klar der Umbau der Saunalandschaft. Das war ein großer Meilenstein mit hohem Investitionsrisiko. Nach dem ersten vollständigen Betriebsjahr können wir sagen: Es war ein voller Erfolg. 2025 hatten wir rund 130.000 Saunagäste – so viele wie noch nie. Dieses Ergebnis übertrifft unsere Erwartungen deutlich.

Frage: Was habt ihr im Recruiting neu ausprobiert – und was hat funktioniert?
Dennis: Jobmessen funktionieren für uns überraschend gut. Wenn aus einer Messe eine einzige nachhaltige Einstellung entsteht, war sie erfolgreich. Zusätzlich haben sich zielgerichtete Google-Ads-Kampagnen bewährt. Je genauer das Targeting, desto passender sind die Bewerbungen.

Frage: Welche Rolle spielt Digitalisierung bei euch?
Dennis: Digitalisierung ist unverzichtbar. Der Einstieg ist oft holprig und aufwendig, aber langfristig enorm entlastend. Ohne digitale Prozesse wären ein moderner Badbetrieb und Marketing heute nicht mehr denkbar. Gleichzeitig gibt es noch Luft nach oben, etwa bei internen Verwaltungsprozessen, z.B. des DMS Systems.

4) Angebot, Nutzen & Wirkung

Frage: Welche Zielgruppen sind für euch besonders wichtig – und was verändert sich?
Dennis: Durch unsere Angebotsvielfalt sprechen wir sehr unterschiedliche Zielgruppen an. Auffällig ist, dass die Nachfrage unter der Woche, insbesondere nachmittags, rückläufig ist. Ganztagsschulen und veränderte Tagesstrukturen wirken sich spürbar aus.

Frage: Was ist euer größter Nutzen für Stadt und Region – jenseits von Freizeit?
Dennis: Ganz klar Gesundheit und Daseinsvorsorge. Mit Sport-, Schwimm-, Wellness- und Saunaangeboten leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Gesunderhaltung der Bevölkerung – und dieser Faktor wird in Zukunft noch wichtiger.

Frage: Welche Rolle spielt die thematische Saunawelt „Stadt | Land | Fluss“ für eure Identität?
Dennis: Sie ist zentral für unsere Positionierung. Gäste erleben bei uns eine echte Auszeit vom Alltag – Urlaub zu Hause. Die regionale Verankerung mit Themen wie der Grünkohl-Sauna schafft Identifikation und Authentizität. Das kommt sehr gut an und wird von den Gästen als stimmiges Gesamtkonzept wahrgenommen.

Frage: Wie wichtig sind Eventformate für das OLantis?
Dennis: Sehr wichtig. Events schaffen Abwechslung, machen Mitarbeitenden Spaß und generieren zusätzlich Umsatz. Gleichzeitig zeigen sie das Bad in einem völlig neuen Licht und stärken die emotionale Bindung der Gäste.

5) Fokus Sicherheit

Frage: Was bedeutet Sicherheit für euch ganz konkret?
Dennis: Sicherheit ist die Grundlage unseres gesamten Betriebes. Sie reicht von qualifiziertem Personal über Wasserqualität und Technik bis hin zu klaren Abläufen. Gäste setzen Sicherheit voraus – egal ob du mit deinem Partner kommst oder mit deiner Familie. Über das Thema Sicherheit machst du dir ja gar keine Gedanken, weil du im Hinterkopf hast: “OLantis ist sicher, da kannst du hingehen.”Und genau deshalb steckt enorm viel Arbeit dahinter.

Frage: Wo entstehen die kritischsten Situationen im Alltag?
Dennis: Im Bad vor allem bei Kindern und Nichtschwimmern, in der Sauna bei gesundheitlichen Problemen. Das beste Training ist der Alltag selbst, weil reale Situationen mehr schulen als jede theoretische Übung. Dennoch sind auch Schulungen ein wichtiger Baustein im Gesamtkontext.

Frage: Wie sorgt ihr dafür, dass Routine nicht zu Nachlässigkeit wird?
Dennis: Indem wir Sicherheit immer wieder bewusst machen. Routine ist notwendig, kann aber gefährlich werden, wenn sie nicht reflektiert wird.

Frage: Welche Rolle spielen klare Kommunikation und Regeln gegenüber Gästen– und wie setzt ihr das durch, ohne „Badpolizei“ zu werden?
Dennis: Ich denke es ist unerlässlich, dass man klare Regeln hat, die vernünftig kommuniziert- und im Zweifel auch konsequent durchgesetzt werden. Aber es ist nun mal nicht jeder Gast einsichtig und verständnisvoll. Und dann ist es eben wichtig, dass man auch Durchsetzungsstärke mitbringt. Wer beim dritten Mal immer noch das Handy in der Hand hat oder ein Kind in Gefahr bringt, der hat bei uns nichts zu suchen. Dann muss man als Betreiber oder als Unternehmer auch mal Konsequenzen zeigen.

Frage: Welche Rolle spielt das Thema Smartphone-Nutzung?
Dennis: Es ist ein Riesenthema – auch für uns. Sowohl im Bad, als auch in der Sauna muss es ohne Smartphone- Nutzung funktionieren. Im Saunabereich ist bei manchen Gästen kein Verständnis dafür da, warum denn in der Erholungszeit nicht das Handy benutzt werden darf. Und im Badbereich ist es das Thema: „Mensch, ich hab doch nur mal kurz was gelesen“. Smartphones lenken ab und können zu gefährlichen Situationen führen, deshalb sind klare Regeln und konsequente Kommunikation unerlässlich.

6) agbad-Netzwerk & Rahmenbedingungen

Frage: Was bedeutet euch das agbad-Netzwerk?
Dennis: Es ist eine extrem wertvolle Austauschplattform auf Augenhöhe. Der persönliche Dialog mit Branchenkolleg:innen ist durch nichts zu ersetzen.

Frage: Wo wünschst du dir mehr Zusammenarbeit?
Dennis: Vor allem beim Thema Fachangestellte für Bäderbetriebe. Eine gemeinsame, bundesweite Kampagne aller Verbände könnte helfen, den Beruf stärker in den Fokus zu rücken.

Frage: Gibt es ein Format, das du dir zusätzlich wünschst?
Dennis: Ein intensiverer Austausch unter Marketing-Verantwortlichen der Bäderbranche wäre sehr wertvoll – praxisnah, offen und auf Augenhöhe.

7) Blick nach vorn

Frage: Was ist eure wichtigste Priorität in den nächsten 24 Monaten?
Dennis: Die Fertigstellung und Integration des Flötenteichbads. Ziel ist es, zwei starke Standorte als ein gemeinsames Unternehmen zu positionieren und Synergien zu schaffen.

Frage: Wie sieht für dich ein stabiler Personalstand aus?
Dennis: Wenn Ausfälle kompensiert werden können – durch Bewerberpools, flexible Planung und vorausschauendes Recruiting.

Frage: Welche Rolle spielen Quereinsteiger künftig? Ergänzung, Notlösung oder echte Strategie?
Dennis: Eine echte Strategie. Menschen mit Lebenserfahrung bringen oft ein anderes Standing mit und können eine große Bereicherung sein. Ich finde das auch total charmant, wenn jemand mit einer gewissen Lebensreife auch den Beruf des Rettungsschwimmers oder Fachangestellten ausübt, weil er eben eine ganz andere Wirkung auf unsere Gäste hat.

Frage: Woran soll man 2030 merken, dass sich das OLantis gut entwickelt hat?
Dennis: Daran, dass unsere Gäste im OLantis einen echten Mehrwert für ihre Freizeitgestaltung erkennen. Nach dem Motto: Da muss ich hin, das ist ein wichtiger Faktor meiner Freizeitgestaltung und dort werde ich wertgeschätzt. Wenn wir das in bestehender Form beibehalten und uns punktuell verbessern, dann wird das funktionieren.

Natürlich müssen sich auch Umsatz- und Besucherzahlen entwickeln und es wäre gut, wenn wir neue Zielgruppen erreichen.

Insgesamt geht es um die Wertschätzung für das Unternehmen, die Zufriedenheit der Gäste und die Perspektive für die Mitarbeitenden. Wenn diese 3 Faktoren erfüllt sind, dann dürfen wir uns schon jetzt auf 2030 freuen.